Vorab eine kleine Tabelle mit den idealen Temperaturfenstern
bei 3 unterschiedlichen Reifentypen.
Dem Metzeler Rennsport als Vertreter der Rennreifen bzw. hier deren Ableger.
Dem Metzeler Sportec M-1 als Vertreter der Sportfraktion.
Und zuletzt dem ME Z4 als Tourenreifen.
|
Reifentyp |
Untere Temperaturschwelle |
obere Temperaturschwelle |
|
Metzeler Rennsport |
von circa 65° bis |
85° circa |
|
Metzeler Sportec M-1 |
von circa 55° bis |
75° circa |
|
Metzeler ME Z4 |
von circa 35° bis |
70° circa |
Quelle Motorrad Heft 24/03
Circa hier weil es doch so ist, das es Fertigungsbedingte Toleranzen gibt die aber keine
allzu große Abweichungen darstellen.
Vorab
etwas zu käuflichen Rennreifen:
Rennreifen werden gebaut, um damit Rennen zu fahren oder möglichst schnell auf der Rennstrecke zu fahren.
Dabei steigen die
mechanischen Belastungen auf den Reifen (hartes Bremsen, hohe
Kurvengeschwindigkeiten, frühes Beschleunigen), wofür man einen möglichst
stabilen Reifenunterbau benötigt. Für möglichst schnelle Rundenzeiten muss
der Reifen ein Laufflächengummi mit möglichst viel Grip haben. Mit sinkender
Rundenzeit steigt die mechanische Belastung auf den Reifen und damit die
Temperatur, die der Reifen aufbaut. Deswegen muss das Laufflächengummi so
ausgelegt sein, daß es bei hohen Reifentemperaturen den optimalen Grip
entwickelt. Deshalb muss man Abstriche im Grip bei kaltem Reifen machen. Der
Rennreifen hat also ein Temperaturfenster, in dem er optimal funktioniert. Um
den Reifen in diesem Temperaturfenster zu halten, darf der Luftdruck nicht zu
hoch sein. Je höher der Luftdruck ist, umso weniger walkt (verformt sich) der
Reifen.
Reifendruck auf der Rennstrecke beim Pirelli Supercorsa bis zu 1.9 bar am Hinterrad
und 2.0 bar am Vorderrad
Andersrum gesagt: Je
niedriger der Luftdruck ist, umso mehr walkt der Reifen und umso höher wird die
Reifentemperatur.
Der Reifenaufbau des Rennreifens benötigt einen relativ niedrigen
Luftdruck, um die gewünschte hohe Reifentemperatur zu erzielen.
Deshalb ist es nur
bei einer Fahrweise auf der Strasse, die eine hohe mechanische Belastung mit sich
bringt, sinnig Rennsportreifen zu verwenden.
Der durch den
Fahrbetrieb bedingte Luftdruckanstieg (durch Erwärmung) darf
nicht reduziert werden.
Reifen wie zum
Beispiel der zur Zeit aktuelle Pirelli Diabolo Corsa besitzen
Ein
deutlich abgesenkter Luftdruck empfiehlt sich bei den meisten Standart Sportreifenkonstruktionen
und den Ablegern der Rennreifen (zB. Metzeler Rennsport ohne Mischungsangabe) selbst auf der Rennstrecke nicht. Der
Reifenunterbau verformt sich bei zu geringem Luftdruck sehr stark. Unter hoher
Last verändert sich besonders am Vorderrad die Reifenkontur drastisch. Der
Latsch, die Aufstandsfläche wird zu groß, mögliche Folge ist ein schwerfälliges
Lenkverhalten.
Besonders
schlecht ist dieses verhalten wenn man zackig einlenken will.
Am
Hinterreifen walkt bei zu geringem Luftdruck der Unterbau ebenfalls viel zu
stark.
Anders
als bei reinrassigen Rennsportreifen hat die Karkassenkonstruktion der
Straßensportreifen die Aufgabe, kleinere Stöße abzufedern und das Motorrad
stabil zu halten. Außerdem wirkt sich die stärkere Krümmung der Lauffläche
unmittelbar auf das Fahrverhalten aus.
Ein
abgesenkter Luftdruck bringt den Reifen zwar schneller auf Temperatur, aber
insgesamt kaum Vorteile.
Zudem
verlässt er zu leicht sein für ihn günstiges Temperaturfenster und überhitzt.
Ein heißer Reifen ist nicht zwangsläufig einer mit viel Grip.
Fazit:
Zu
geringer Luftdruck bedeutet übermäßige Erwärmung des Reifens, die zur Zerstörung
führen kann.
Zu
hoher Luftdruck verschlechtert das Fahrverhalten, den Fahrkomfort und verändert
das Abriebbild